Mit Kindern unterwegs – aber sicher

Kinder können in der Regel bereits mit fünf Jahren selbst Rad fahren, sind aber noch nicht in der Lage, aktiv am Verkehrsgeschehen teilzunehmen. Dazu fehlt ihnen die Übersicht – und nicht zuletzt das Abstraktionsvermögen, dessen es bedarf, um Verkehrsabläufe „vorherzusehen“ und das doch ziemlich komplexe Reglement zu beherrschen.

 

1) Kindersitze

Gesetzlich vorgeschrieben (sinngemäß): Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder unter 7 Jahren von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können.

 

Höchstzulässiges Gewicht für Kinder:

Bitte beachten Sie auch die Bedienungsanleitung des Kindersitzherstellers.

Kindersitz vorn: max. 15 kg

Kindersitz hinten: max. 22 kg

 

Unbedingt erforderlich:

• Kräftige Bremsen: Mit einer Rücktrittbremse kann auch gestoppt werden, wenn eine Hand für das Kind benötigt wird.

• Stabiler Ständer: Wir empfehlen Ihnen einen stabilen Zweibeinständer (Bild 3).

 

WICHTIG!

Kindersitze müssen eine entsprechende Vorrichtung für die Füße haben (Bild 1), damit die Füße nicht in die Speichen geraten können.

Bild 1

 

• Sitze (und Fußstützen) dürfen nicht an schwenkbaren Lenkungsteilen (Lenker und Gabel) angebracht werden.

• Sitze und Fußstützen müssen sicher befestigt sein; insbesondere müssen Dreh- und Kippsicherheit gewährleistet sein. Dies ist am Besten durch einen Lenkungsdämpfer (Bild 2) und durch einen Zweibeinständer (Bild 3) zu lösen.

Bild 2 Bild 3

 

• Die Kinder sollten durch geeignete Vorrichtungen (Gurt oder Bügel) in der Sitzposition gehalten werden.

• Steckverbindungen müssen gegen Herausspringen abgesichert sein.

 

Montage

• Kindersitz vor dem Lenker: Der größte Nachteil bei dieser Position ist die ungünstige Schwerpunktlage, die das Fahrverhalten stark beeinträchtigt. Eine solche Sitzposition sollte nur für ganz kleine Kinder in Frage kommen, oder wenn 2 Kinder transportiert werden sollen.

 

WICHTIG!

Sitze, die am Lenker eingehängt werden, sind gefährlich und nicht zulässig!

 

• Kindersitz zwischen Lenker und Sattel:

Der Schwerpunkt des Sitzes liegt sehr günstig und das Fahrverhalten wird kaum beeinflusst. Auch die Gefahr, dass die Füße in die Speichen geraten können, ist sehr gering. Dennoch müssen die Füße immer an Fußstützen fixiert werden, damit ein Einklemmen zwischen Vorderrad und Rahmen vermieden  wird.

 

• Kindersitz hinten:

ist die sicherste Lösung. Meistens werden Sitze wegen Stabilitäts- und Passproblemen mit den Gepäckträgern mit einer besonderen Halterung am Rahmen des Fahrrades befestigt. Dadurch entsteht ein Federeffekt. Bitte achten Sie darauf, dass die Füße in den Fußstützen sicher befestigt sind.

 

Beim Kauf beachten:

Bei der Anschaffung eines Kindersitzes sollten Sie unbedingt das Fahrrad und Ihr Kind mit zu uns nehmen. Hier erhalten Sie kompetente Beratung und Hilfe bei der Montage. Der Sitz sollte genau nach Anleitung montiert werden. Formveränderungen durch Zurechtbiegen könnten gefährliche Brüche zur  Folge haben. Kindersitze und Halterungen sollten immer wieder auf Mängel überprüft werden. Schraubverbindungen lockern sich und müssen nachgezogen werden. Kaufen Sie am besten gleich 2 Halterungen, damit Sie den Sitz ohne aufwendige Ummontage auf den Rädern beider Eltern benutzen können.

 

2) Helme

Bild 4

 

Schwere Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen sind dank der wachsenden Akzeptanz von Fahrradhelmen deutlich zurückgegangen. Doch noch ist es nicht für alle zur Selbstverständlichkeit geworden, einen Kopfschutz zu tragen. Speziell gefertigte Kinderhelme (Bild 4) werden nicht nur den Kopfgrößen der Kinder gerecht, sie besitzen unter anderem auch seitlich tiefer gezogene Schläfenpartien, um die stoßempfindliche Schädelbasis bei Stürzen besser schützen zu können. Darüber hinaus sind sie ausgesprochen leicht, um:

 

• die schwächere Halsmuskulatur nicht überzustrapazieren,

• bei Stürzen keine Schleudertraumata zu verursachen.

 

3) Reflexbänder/-Sticker / Sicherheitsweste

Bild 5

 

Dass Kinder mit farblich auffälliger Kleidung im Straßenverkehr besser zu sehen sind, leuchtet wohl jedem ein. Bei Dämmerung oder in der Dunkelheit jedoch verblassen selbst unsere schrillsten Outfits und lassen den Sprössling zur sprichwörtlichen “grauen Maus” werden. Diesem Schicksal allerdings müssen wir uns nicht fügen: Mit Reflexbändern/Sicherheitswesten (Bild 5) oder Reflexstickern ausgestattet, avanciert der Radfahrer sozusagen über Nacht zur “leuchtenden Erscheinung”.

 

WICHTIG!

Bitte achten Sie darauf, dass diese Artikel eine DIN- oder EN-Normierung besitzen. Nur so ist eine absolute Qualität und Leistung gewährleistet. Die Bänder besitzen einen Klettverschluss und lassen sich einfach an Ärmel oder Hosenbein anbringen oder auf eine Überjacke aufnähen. Die reflektierenden Sticker gibt’s in verschiedenen Motiven, sie lassen sich problemlos auf Kleidungsstücke oder Schultaschen aufkleben.

 

4) Rückspiegel

Lässt man seine Kids im Straßenverkehr vorausfahren, drehen sie sich erfahrungsgemäß häufig nach den hinterherfahrenden Erwachsenen um und vollziehen dabei oft gefährliche Schlenker, die weit in Richtung Gegenfahrbahn reichen können. Die umgekehrte Formation – Eltern vorn, der Nachwuchs hinten – ist zweifellos besser.

Bild 6

 

• Ein Rückspiegel (Bild 6) an Ihrem Velo, durch den Sie allzeit ein wachsames Auge auf Ihre lieben Kleinen werfen können, verhilft Ihnen dann zu einem noch beruhigteren Gefühl. So ein Spiegel ist aber auch dann sehr nützlich, wenn Sie Ihr Kind noch auf dem hinteren Kindersitz (oder Kinderanhänger) transportieren. Mehr als einmal ist ein Kleinkind eingeschlafen und dann seitlich aus den Hosenträgergurten gerutscht. Moderne Spiegel lassen sich mit wenigen Handgriffen am Lenkerende fixieren und sind teilweise einklappbar, so dass sie beim Abstellen des Fahrrades nicht stören.

 

5) Elastomersattel oder Finger-Klemmschutz

Radfahren ohne Tränen: Für Kinder, die hinter Fahrer oder Fahrerin auf dem Kindersitz mitgenommen werden, gibt es einen Fingerklemmschutz (Bild 7). Der wird lediglich über die Sattelfeder geschoben und verhindert, dass sich die Kleinen ihre Finger in der Federspirale einklemmen.

Bild 7

 

Steht ohnehin der Kauf eines neuen Sattels an, sollten Sie exakt aus diesem Grund mit dem Erwerb eines Sattels mit Elastomerfederung (Bild 8) liebäugeln. Hier wurde die Sattelfeder ganz durch einen gummielastischen Elastomerblock ersetzt.

Bild 8

 

6) Kinderanhänger

Kinder sind im Kinder-Anhänger (Bild 9) sicher aufgehoben – und haben einen Riesenspaß dabei, umherkutschiert zu werden. Ab frühem "Krabbelmonster-Alter”, also sobald es mit dem Sitzen klappt, lockt der bunte Kinderanhänger – mit dem man, nicht zu vergessen, außer Kindern noch jede Menge anderer unverzichtbarer Dinge transportieren kann.

 

HINWEIS:

In einer Babyschale lassen sich in fast allen Kinder-Anhängern auch schon Säuglinge sicher transportieren.

Bild 9

 

So gesehen, bietet ein Fahrrad-Anhänger eigentlich nur Vorteile:

• Anders als beim Einsatz von Kindersitzen behält das Fahrrad seine Fahreigenschaften, wird also weder heck- noch kopflastig.

• Daraus ergibt sich unmittelbar eine bequemere Fahrposition für Fahrer oder Fahrerin; selbst zum Wiegetritt schwingen sich sportliche Fahrer durchaus noch auf, ohne sich vom "Anhang” stören zu lassen.

• Die Kinder haben im Anhänger viel Platz, können sich spielend die Zeit vertreiben oder sogar schlafen.

• Ein Verdeck schützt vor Wind, Wetter oder vor Fliegen.

• Sicherheitsgurte und eine zum Standard gewordene stabile Fahrgastzelle bieten denn Kleinen optimalen Unfallschutz.

 

Der Fahrer muss sich allerdings auf die veränderten Eigenheiten von "Zugmaschine” und "Hänger” einstellen: Zunächst wird er wahrscheinlich überrascht zur Kenntnis nehmen, dass man sich auf dem Bike sicherer fühlt, wenn ihm ein Anhängsel folgt. Grund: Trotz der gelenkigen Kupplung, die dafür sorgt, beiden Fahrzeugen ein Maximum an notwendiger Eigenbewegung zu ermöglichen, ohne Komfort oder gar Sicherheit  einzuschränken, bietet so ein Anhänger doch eine spürbare seitliche Stützwirkung. Das wird gerade bei langsamer Fahrt als sehr angenehm empfunden, da man dann bei weitem nicht so konzentriert um den Erhalt seines Gleichgewichtes auf dem Velo kämpfen muss. Ansonsten sollte es sich der "Zweirad- Speditions-Experte” zur Angewohnheit machen, sich ein wenig weiter zur Straßenmitte hin zu orientieren, um mit dem Hänger nicht an den Bordstein zu geraten. Schlimmer noch wäre es, seitlich von der Landstraße ins Unbefestigte abzurutschen – und seinen Hänger dann womöglich samt Inhalt über die Böschung abzukippen. Holen Sie vor allem in Rechtskurven bitte wie ein Lastwagenfahrer aus, sprich, peilen Sie eine um 20 bis 30 cm nach außen versetzte Spur an, denn der Hänger hinter Ihnen läuft stets ein bisschen versetzt in Richtung Innenkurve. Gerade bei Kinder-Anhängern mit freistehenden Laufrädern besteht hier die Gefahr, dass sich beispielsweise ein Begrenzungspfahl zwischen Laufrad und Hänger verklemmt und das Gespann sehr abrupt und ganz ohne Bremsweg zum Halten bringt. Stellen Sie außerdem sicher, dass die Bremsen Ihrer Zugmaschine besonders effektiv arbeiten, denn der Hänger samt Transportgut muss ja stets mitgebremst werden. Bergab ist deswegen prinzipiell eine vorsichtige Fahrweise anzuraten. Besonders bei längeren Abfahrten kommt es zwangsläufig zu einer Art Dauerbremsung, wobei auch und gerade Trommel- oder Rücktrittbremsen heißlaufen können.